Was ist Zen?

Das Wort Zen leitet sich aus dem Sanskritwort „Dhyana“ ab und bedeutet frei übersetzt „Zustand meditativer Versenkung“.

Zen geht ursprünglich auf den Zenbuddhismus zurück. Die Zen-Praxis ist jedoch nicht an eine Konfession oder Weltanschauung gebunden.

Zen ist ein Weg durch individuelle Erfahrung. Zen können wir nicht durch Bücher studieren oder uns von Meistern erklären lassen. Man muss Zen selbst erfahren, so wie man eine Tasse Tee selbst schmecken muss.

Der berühmte japanische Zenmeister Dogen Zenji lehrte:

„Zen zu studieren bedeutet, sich selbst zu studieren. Sich selbst zu studieren bedeutet, sich selbst zu vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt.“

Wir studieren Zen nicht, indem wir neue Vorstellungen oder Ideen unseres Daseins entwickeln. Es geht vielmehr darum, alle Vorstellungen und Konzepte loszulassen und sich für das zu öffnen, was JETZT ist. So können wir das eigene Dasein von Grund auf erfahren, jenseits aller Verhaltensmuster und Konzepte. Indem wir aushalten was wir sind und wie wir sind, schließen wir Freundschaft mit uns selbst und mit der Welt. Der Friede der Welt beginnt in unserem Herzen.

Sitzen und Gehen in der Stille

Im Mittelpunkt der Zen-Praxis steht das Sitzen und Gehen in der Stille. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den Atem oder auf diesen einen Schritt. So holen wir uns immer wieder in den gegenwärtigen Augenblick zurück und lauschen, was die Gegenwärtigkeit uns mitteilt. Wir nehmen Gedanken, Gefühle und Empfindungen wahr, aber wir folgen ihnen nicht.

Achtsamkeit

Durch Sitzen und Gehen in der Stille üben wir Achtsamkeit ein. Achtsamkeit ist absichtslose Aufmerksamkeit. Wir sitzen, weil wir sitzen, wir gehen, weil wir gehen, ohne uns verändern oder ein Ziel erreichen zu wollen. Dies fällt uns schwer, weil wir zutiefst anders konditioniert sind. In den Augenblick zurückzukehren, ist einfach. Doch in der Achtsamkeit zu verweilen, ist nicht leicht.

Ziel der Zenpraxis

Die Achtsamkeit geht uns immer wieder verloren und bedarf daher kontinuierlicher Einübung, damit daraus eine Lebenshaltung wird. Das Ziel der Zenpraxis ist der Alltag.

„Ein spiritueller Weg, der nicht in den Alltag führt, ist ein Irrweg.“ (Willigis Jäger)

Im Alltäglichen muss sich die Erfahrung bewähren und sich in Mitgefühl und Verantwortung zeigen. Dies gilt vor allem für die Beziehungen zu anderen Menschen.

Der Weg des Zen beginnt immer JETZT

Der Weg beginnt immer mit diesem Schritt oder mit diesem Atemzug. Es geht immer um JETZT.

Ein spiritueller Weg entsteht, indem man ihn einfach geht. Geduld und Disziplin entstehen durch kontinuierliche Praxis und indem wir gerade auch dann praktizieren, wenn alles dagegen spricht.

Der deutsche Theologe und Mystiker Johannes Tauler (1300–1361) hat dies so beschrieben:

„Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht, hat das menschliche Ich für sich selbst nichts. Das Ich hätte gerne etwas und es wüsste gerne etwas und es wollte gerne etwas. Bis dieses dreifache ‚Etwas‘ in ihm stirbt, kommt es den Menschen gar sauer an. Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit. Man muss dabei aushalten, dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.“

Lasst uns jetzt beginnen.